Viktor Scheifele und die Gründung des Wing Jun Centers

Gary Lam Viktor Scheifele
Level 3 Certificate Gary Lam Wing Chun

Mein Name ist Viktor Scheifele. Heute bin ich Leiter des Wing Jun Centers. Dass es so kam war durchaus kein Zufall. Schon als Kind habe ich mit Ringen begonnen und sammelte später auch Erfahrungen in verschiedenen Kampfsport-Arten.

Die eigentliche Begeisterung für die Kampfkünste begann mit dem Hype um diese in den siebziger und frühen achtziger Jahren. Besonders angetan war ich von dem allzeit berühmten Bruce Lee. Schnell war mir das Nachahmen von Bewegungen und Szenen nicht mehr genug, weshalb ich mich auf die Suche nach einem Stil machte der zu mir passt. Zunächst stieß ich auf eine örtlich bekannte Tea Kwon Do Schule, wo ich mich gleich anmeldete. Früher war dies einer der bekanntesten Stile. Es dauerte nicht sehr lange bis mir klar wurde, dass dieser Kampfsport nicht das war was ich mir unter Kampfkunst vorstellte. Zu viele Lücken und das Kämpfen nach regeln nahmen der Sache die Realität und den Hintergrund den eine Kampfkunst eigentlich ausmacht.

So geriet ich nach einer gewissen Zeit, im Jahr 1981, an Sifu Thomas, meinen ersten Lehrer der chinesischen Kampfkunst Wing Tsun. Er war mit seiner Schule Mitglied der EWTO, welche von Keith Kernspecht geleitet wird. Er hatte eine noch recht junge Schule in Pforzheim, welche auch noch nicht sehr bekannt war. Die Art und Weise wie der mir damals unbekannte Stil funktionierte und wie dieser sich mit meinen Vorstellungen deckte, führte zu der Entscheidung diesen Stil vollständig zu erlernen. Es ging ums Kämpfen. Nicht etwa um eine einfache Schlägerei, vielmehr um die Überlegenheit durch Technik und Köpfchen. Dass Wing Tsun kein roher Stil basierend auf Gewalt ist, war mir schnell klar.

Hier begann ich meine Ausbildung im Wing Tsun und im Latosa Escrima.

Nach ein paar Jahren Training und sammeln umfangreicher Erfahrungen, sah mein damaliger Lehrer, dass ich zu mehr bereit war. Im Gegensatz zu vielen meiner Mitschüler, war Wing Tsun mehr als ein Hobby für mich. Es war eine Lehre, ein System das ich meistern wollte. Dies zog die Aufmerksamkeit meines Lehrers auf mich. So übergab er mir immer öfter die Leitung des Unterrichts in seiner Schule. Er unterwies mich im Unterrichten, denn die Sicht des Lehrers auf die Sache ist bei Weitem nicht die gleiche wie die eines Schülers.

Für Sifu Thomas war die Schule hier in Pforzheim eine Zweigstelle und als er älter wurde, konzentrierte er sich immer mehr auf seine älteren Schulen und überlies mir seine in Pforzheim als sein Nachfolger.

Als ich der Meisterschaft immer näherkam, begab ich mich auf die Suche nach anderen Meistern des Kung Fu, um mein Wissen zu steigern und mein Können zu stärken.

2006 fiel mir dann Master Gary Lam auf, welcher so spielend mit Wing Chun arbeitete, wie ich es mir immer vorstellte. Es machte Sinn was er unterrichtete, egal ob es die erste Bewegung oder der „hohe“ Gedanke war. Es fügte sich zu einer Einheit und entsprach meiner „Idee“. Sifu Gary Lam ist Meisterschüler von Wong Shun Leung – ein direkter und wohl einer der nennenswertesten Nachfolger Ip Mans. Er füllte genau die Lücken die ich hatte und die mich so lange beschäftigten. Sicher, war es eine Umstellung um diese Lehren zu verinnerlichen und zu meistern. Doch bekanntlich ist der Weg das Ziel.

Nachdem ich nun das gesamte Gary Lam Wing Chun Kung-Fu kennenlernte und Stück für Stück meisterte, entschloss ich mich alles neu zu strukturieren. Schließlich brauchte ich die Möglichkeit frei zu unterrichten um meine Lehre weiter zu entwickeln. So gründete ich das Wing Jun Center. Heute geht es darum das Wing Chun in seiner effektivsten Form weiterzugeben. Damit ist nicht nur der Kampf an sich gemeint. Es geht um Philosophie und die Lehre, die sich hinter dem Wing Chun verbirgt. Eine solche Kampfkunst lässt sich auf jede Lebenslage übertragen. Es lässt uns die Dinge anders, vielleicht weiser oder nüchterner sehen.

Die effektivste und vollständige Form des Wing Chun ist die  ursprüngliche Form, so wie Ip Man diese Lehre an Wong Shun Leung weitergab, so übernahm auch GM Gary Lam das System von seinem Lehrer Wong Shun Leung. GM Gary Lam entwickelte das Wing Chun zu einem vollständigen System, das er  heute in LA und auf zahlreichen Seminaren unter anderem in Pforzheim unterrichtet.

Nun, meine Absichten für die Zukunft sind die Verbreitung und die Erhaltung des traditionellen Wing Chun Systems. Es sollen zukünftig neue Generationen entstehen, die Wing Chun weitergeben. Es ist für mich sehr wichtig, dass meine Schüler etwas lernen. Es geht mir nicht darum sie zu unterhalten, indem ich ihnen laufend von neuen Entdeckungen berichte, oder ihnen noch schönere Bewegungen beibringe. Es stellt keinen Erfolg für mich dar, Räume mit Schülern zu füllen. Vielmehr geht es mir darum, dass ein Schüler Wing Chun anwenden kann. Sowohl im Kampf, als auch für seine Gesundheit und in seinem Verhalten generell.

Sifu Viktor Scheifele